Familie Schwappach


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Das neue Buch

Max Schwimmer

Leipziger Internet Zeitung, 16.03.2010

Max Schwimmer: Endlich eine große Biographie für den kleinen Leipziger Faun
Ralf Julke
16.03.2010

Max Schwimmer.
Er hat einen kleinen runden Geburtstag in diesem Jahr: 115 Jahre alt würde Robert Richard Max Schwimmer werden am 9. Dezember, wenn ihm ein so langes Leben vergönnt gewesen wäre. Als Künstler hat er ein viel längeres. Und jetzt gibt es auch endlich die repräsentative Biographie dazu.

Da Max Schwimmer 1960 starb, wird auch sein 50. Todestag gewürdigt. Sogar mit einer Ausstellung. Die ist seit dem 4. Februar im Museum der bildenden Künste zu sehen. Die drei Kabinetträume im 1. Obergeschoss zeigen die vielen Seiten Schwimmerscher Kunst. Aber nur noch bis zum 18. April - wer's sehen will, muss sich sputen.

Das Buch auf den großen Leipziger Künstler, der 1895 in der Wettiner Straße geboren wurde, schrieb Inge Stuhr, bis 2004 Verwalterin seines Nachlasses in der Leipziger Stadtbibliothek. Sie hat auch schon die große Briefauswahl vorgelegt, die dem Leser einen Einblick gibt in das Leben dieses lebenslustigen Leipzigers.

Wer beim Stichwort Wettiner Straße an das Waldstraßenviertel denkt, der irrt. Denn Schwimmers Geburtsstraße lag im damaligen Arbeitervorort Lindenau. Später wurde sie in Albertinerstraße umbenannt, heute heißt sie Erich-Köhn-Straße. In den Folgejahren zog die Familie des Buchbinders Carl Theaodor Richard Schwimmer fast im Jahresturnus um - von einer neu gebauten Wohnung in die nächste. Trockenwohnen nennt man das. Das sparte Miete. Die Familie Schwimmer war arm. Und so war auch Max Schwimmers Weg in die Kunst ein eher verschlungener. In Connewitz ließ er sich zum Lehrer ausbilden. Den 1. Weltkrieg musste er nicht an der Front miterleben - er wurde immer wieder ausgemustert.

Über 200 Abbildungen zeigen die Vielseitigkeit des Künstlers Max Schwimmer.
Was ihn nicht hinderte, in der Revolutionszeit 1918/1919 Sympathien für die Kommunisten zu entwickeln. Ein kleiner Rebell war er immer. Nach eigener Aussage keiner, der Barrikaden baute oder zur Gewalt griff, auch wenn das die Staatsgewalt, die den kleinen Lehrer 1919 kurzzeitig inhaftierte, zu glauben schien. Es gibt solche Zeiten: da ist jede rebellische Regung suspekt. Und 1919, das war so eine Zeit. Da gärte auch in Leipzig mehr, als der auf Ruhe bedachte Bürger gern wahrhaben wollte. Da entdeckten die Leipziger Künstler auch - mit gehöriger Verspätung - den Expressionismus für sich. Und Max Schwimmer war dabei. Rüdiger Berlit, dem ebenfalls eine Ausstellung im Bildermuseum gewidmet ist (bis 5. April) war sein Freund.

Was freilich das Schmunzeln einschließt, denn Recht behielt in diesen wenigen Jahren der expressiven Explosion die konservative Zeitung "Leipziger Neueste Nachrichten". Sie behauptete ruhigen Mutes, der Spuk sei bald vorbei.

Inge Stuhr: Max Schwimmer. Eine Biographie.
Für Schwimmer war er das in gewisser Weise, auch wenn gerade die 1920er Jahre für den begabten Liebhaber der flotten Feder und der feschen Frauen zu einer harten Ochsentour werden sollten. Immer wieder war das Lehramt eine Sicherung auf Zeit. Ein Versuch, in Berlin Fuß zu fassen, ging kräftig in die Hose. Dafür waren die Reisen nach Frankreich und Italien fruchtbar. Sie brachten schon Bilder hervor, in der der andere, der eher impressionistische, farbenfrohe Schwimmer zum Vorschein kam. Hier deutete sich die Leichtigkeit an, die künftig seinen Zeichenstil prägen sollte, die Lust an leuchtenden Farben und an der sinnenfreudigen Szenerie.

Da und dort sieht man noch, wie er in den Spuren anderer Größen seiner Zeit läuft. George Grosz prägt den Stil vieler seiner Illustrationen. Andere zeigen unübersehbar, dass er auch bei den berühmtesten Franzosen genauer hingeschaut hat und gelernt hat, wie man eine Szene so leicht hinzeichnen kann, dass die Personen zu leben beginnen, eingefangen in einem flüchtigen Moment. Etwas, was sich Schwimmer, der Linkshänder, erarbeitet hat. Dutzendweise hat er Kritzelbücher gefüllt. Briefe und Postkarten, die er selbst mit launig hingeworfenen Zeichnungen schmückte, verschickte er zu Hunderten, zu Tausenden.


Ein kleiner Ausschnitt aus dem gewaltigen Konvolut, das die Stadtbibliothek im Auftrag der Stadt Leipzig verwahrt, ist im Bildermuseum zu sehen. Die von Inge Stuhr geschriebene Biografie ist damit geradezu gespickt. 220 Abbildungen verspricht der Verlag. Es sieht nach viel, viel mehr aus. Die Biographie ist fast ein Katalog. Und sie zeigt im Grunde die ganze Vielseitigkeit des Künstlers, der sich nach ersten kleinen Erfolgen gleich mutig selbst mit jenen anlegte, die ihn eben erst ausgestellt hatten.


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Die NS-Zeit zwang ihn logischerweise in die innere Emigration. Und die meisten Publikationen, in denen er zuvor veröffentlichen konnte - darunter die LVZ - wurden verboten. Die Neue Leipziger Zeitung, die unter strikter Observanz weiter erscheinen durfte, konnte das nicht wett machen. Dafür entdeckten ein paar Buchverleger die Lebendigkeit Schwimmerscher Illustrationen. Seinen später so berühmten Stil formte er in dieser Zeit an Goethe- und Sercambi-Illustrationen. Kleine, sinnliche Frivolitäten. Da war er Max, da durfte er es sein. Bevor auch er noch zum Kriegsdienst eingeholt wurde. Was er glücklich überlegte.

Die Nachkriegszeit wurde für ihn dann das, was sie für alle Querköpfe wurde, gerade, wenn ihr Herz links tickte: Sie gerieten mit den Betonköpfen ihrer Zunft aneinander, in diesem Fall dem legendären Kurt Massloff. Was ihn dann zum Wechsel nach Dresden bewog. Als er 1960 starb, hatte er das Land mit Dutzenden hinreißend illustrierter Klassiker beschenkt - von Balzac bis Heine. Die Zeichnungen erreichen zuweilen eine Simplizität, die verblüfft. Ein ganzes Kapitel widmet Inge Stuhr ganz und gar dem Illustrator.


Max Schwimmer. Eine Biographie
Inge Stuhr, Lehmstedt Verlag,
Leipzig 2010, 29,90 Euro
Mit dieser neuen, großen und farbigen Biographie führt die Autorin nun alles zusammen, was man mittlerweile über einen der launigsten und rebellischsten Leipziger Künstler weiß. Und weil es so reich bebildert ist, macht auch das Lesen, Verweilen und Zurückblättern Spaß. Selbst einige scheinbar simple Skizzen zeigen, was für ein Talent dieser Bursche war - und zwar gerade in der kleinen, so wenig repräsentativen Form. Aber genau das ist der Reiz: Im scheinbar locker Hingezeichneten die Finesse zu entdecken und den Spaß, den er hatte als er das alles hinwarf. Wie beiläufig. Wer's im Original sehen will, dem sei die kleine Ausstellung im Bildermuseum empfohlen.

Wer das Verweilen und Umblättern großer Seiten liebt, der wird an diesem Buch Gefallen finden.


Eine bilderreiche Biographie über den Leipziger Max Schwimmer.

Inge Stuhr: Max Schwimmer. Eine Biographie.

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